Die Jakobswege bei unseren Nachbarn

Möchten Sie Ihre Pilgerreise über die Grenzen Südmährens hinaus fortsetzen? Auch in den Nachbarländern werden Jakobspilger herzlich willkommen geheißen. Wir bieten Ihnen einen ausführlicheren Überblick über die polnischen und österreichischen Routen.

buen camino


Jakobswege in Polen

Das Netz der Jakobswege ist hier relativ dicht. Bereits zur Zeit der Römer entstanden Handelsrouten, die den Süden Europas mit der Ostseeküste verbanden – etwa die berühmte Bernsteinstraße. Eine neue Bedeutung erhielten diese Wege im 10. Jahrhundert, als sich in Mitteleuropa die heutigen Staaten herauszubilden begannen. Besonders wichtig waren die Verbindungen von Böhmen über Schlesien und die Lausitz nach Großpolen. Auf ihnen reisten Diplomaten, Kaufleute, Handwerker, Ritter und natürlich auch Pilger.

Die Via Regia (Große Straße), auch Königstraße genannt, war seit dem Mittelalter eine der bedeutendsten Verkehrsachsen Mitteleuropas. Der heutige Jakobsweg entlang der Via Regia folgt ihrem Verlauf aus der Zeit des Spätmittelalters, als Niederschlesien als Teil der Länder der Böhmischen Krone seine größte Blüte erlebte. Der aktuelle Abschnitt von Góra Św. Anny über Opole, Wrocław und Legnica bis nach Zgorzelec bildet den Beginn der heutigen Via Regia.

Der Gnesen–Zgorzelec/Görlitz–Prag-Jakobsweg

Der Gnesen–Prag-Jakobsweg knüpft an eine Route an, die bereits 1563 als eine von drei Pilgerstraßen erwähnt wurde, welche Polen mit dem übrigen Europa verbanden. Die historische Strecke führte über Poznań, Leszno, Głogów, Zgorzelec (Görlitz) und Zittau.

Im Jahr 2008 wurde der Weg auf tschechischem Gebiet offiziell eröffnet. Die Zittauer Route setzt sich von Zittau über Český Dub und Stará Boleslav bis nach Prag fort.

Ihre Pilgerreise kann bereits in Olsztyn in Polen beginnen. Von dort führt der Polnische Weg (Droga Polska, Camino Polaco) in die Lebkuchenstadt Toruń und weiter nach Gnesen.

www.camino.net.pl

Die Jakobswege in Österreich

Der heutige Haupt-Jakobsweg in Österreich erreicht das Land an der östlichen Grenze von Bratislava kommend und führt weiter über Wien, St. Pölten, Linz, Salzburg und Innsbruck, bevor er westwärts in die Schweiz verläuft.

Der östliche Abschnitt des österreichischen Camino in Niederösterreich blickt auf eine lange Geschichte zurück. Davon zeugen die beiden Jakobskirchen in Wolfsthal und Regelsbrunn sowie die von den Tempelrittern errichtete Rundkapelle in Petronell. Wien war naturgemäß ein bedeutender Ausgangspunkt für Pilger. Weitere wichtige Stationen entlang des Weges sind die Stifte Göttweig und Melk – Letzteres ist Ihnen vielleicht aus Umberto Ecos Roman Der Name der Rose bekannt.

Der Jakobsweg im Weinviertel

Das Hainburger Tor (Porta Hungarica) gilt als jener Ort, an dem Reisende aus Osteuropa erstmals auf ihrem Weg zum Grab des Apostels Jakobus vorbeikamen. Noch heute bildet die Donau von Hainburg bis Linz eine gedachte Leitlinie, entlang derer die historische Route von Budapest über Wien weiter nach Westen führte.

Eine Gruppe von Enthusiasten aus dem Weinviertel beschloss, diese Pilgerroute von Lwiw in der Ukraine über Krakau in Polen wiederzubeleben und bis nach Wien zu führen. Sie markierten einen Jakobsweg von Mikulov und schlossen ihn in Mautern an der Donau an den österreichischen Hauptweg an. Von dort können Pilger weiter durch Oberösterreich und Salzburg bis nach Tirol ziehen.

www.jakobsweg-weinviertel.at

Der Jakobsweg in Tirol

Drei beeindruckende Hauptrouten führen durch Tirol:

Von Norden kommend tritt der Weg aus Süddeutschland bei Kufstein ein, folgt dem Inntal westwärts über Innsbruck und überquert den Arlbergpass in Richtung Berner Oberland.
Von Osten führt die Route aus dem Kärntner Drautal nach Lienz in Osttirol und weiter durch das Pustertal.
Von Süden verläuft der Jakobsweg über Brixen und Sterzing in das Tiroler Wipptal. Vom Brennerpass führt er weiter ins Inntal nach Innsbruck, wo Pilger vom prächtigen Dom zu St. Jakob empfangen werden.

www.jakobsweg-tirol.net

Der Jakobsweg in der Steiermark

Diese 154 Kilometer lange regionale Route verläuft zwischen Graz und Lavamünd. Sie ist in acht Etappen von 14 bis 27 Kilometern unterteilt, wobei an jedem Tagesziel gute Übernachtungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen.

Einige Etappen sind körperlich anspruchsvoll, mit täglichen Anstiegen von 204 bis zu 1.189 Höhenmetern. Die Panoramablicke sind atemberaubend – doch seien Sie gut vorbereitet, denn die alpine Umgebung kann mit Kälte, Schnee und Nebel überraschen.

jakobsweg-steiermark.at

Weltliche Genüsse und Nächtigungen an geistlichen Orten

Der hohe Kalorienverbrauch unterwegs muss regelmäßig ausgeglichen werden. Entlang des Jakobswegs fehlen daher weder Gasthäuser noch Pilgerunterkünfte. Viele Gnadenorte sind zugleich hervorragende Einkehrstätten – etwa die Abtei der Missionsbenediktiner St. Georgenberg, hoch oben auf einem Felsen über Fiecht bei Schwaz. Das Kloster Fiecht im Tal verfügt über ein eigenes gemütliches Gästehaus mit Dutzenden von Betten. Das Zisterzienserstift Stams im mittleren Oberinntal lädt zur Besichtigung seiner prachtvollen Räumlichkeiten ein (Führungen sind ganzjährig nach Vereinbarung möglich), doch für eine Übernachtung im Männerkloster werden derzeit ausschließlich Männer aufgenommen …


Wohin soll es gehen?

Die Wege in Tschechien

Die Jakobswege in Europa

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