Die modernsten Weingüter der Region Znojmo

Znojmo wurde bereits im 13. Jahrhundert zur Königsstadt erhoben. Dies war einer der Gründe dafür, dass die Stadt eine jahrhundertelange Blüte erlebte und hier heute wie in einem Lehrbuch alle Baustile von der Romanik bin hin zum modernen Brutalismus zu finden sind – um sie zu erleben, genügt es, einen Spaziergang durch die Stadt zu unternehmen. Hier wollen wir uns nun vor allem den in den letzten Jahren entstandenen Tempeln des Weins widmen…

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Geschichte und Moderne organisch miteinander verbunden

Die Baustile früherer Zeiten werden hier in organischer Weise durch moderne architektonische Projekte ergänzt, wobei sich Alt und Neu vielfach miteinander vermischen und aus dem Kontrast der Stile ein unerwartetes, effektvolles Zusammenspiel entsteht. Die gilt etwa für die Enotéka, die Sie nur wenige Meter von der Katharinenrotunde und von der Burg entfernt finden. 

Hinter dieser Önothek der regionalen Weine aus dem Anbaugebiet Znojmo steht das bekannte Architekturstudio Chybík+Krištof aus Brno, welches in New York einen von zehn Preisen „Design Vanguard 2019“ für die weltweit besten jungen Architekturstudios erringen konnte. Gewürdigt wurde mit diesem Preis, der damit erstmals an ein tschechisch-slowakisches Team ging, ihr visionärer Ansatz. Der kommt im Falle der Enotéka hundertprozentig zur Geltung, welche auf einem Brauereigelände aus dem 19. Jahrhundert unter Einbeziehung von Technikgebäuden aus den Jahren des Sozialismus entstand. Die Enotéka trägt Spuren der ursprünglichen Bauten und hält die Erinnerung an geschichtliche und politische Zusammenhänge wach – daher haben die Architekten in die Rekonstruktion teils auch die hässlichen Erweiterungsbauten aus den kommunistischen siebziger Jahren einbezogen. Die Enotéka stellt im Grunde eine Fortsetzung der Architekturgeschichte der Stadt dar.  

Das unansehnliche Gebäude neben der sorgsam renovierten Brauerei wurde von Chybík+Krištof in experimentaller Weise angegangen. Sie ließen nur die Außenwände und fügten in das schneeweiße Interieur in unterschiedlichen Höhen mehrere Sitzbereiche aus dunklem Holz ein. Lassen Sie sich nicht den Aufstieg bis zur obersten „Box“ entgehen, von wo sich schön das Treiben an der Bar tief unter einem beobachten lässt! Durch die asymmetrischen Fenster der Enotéka fällt bei einem Wein oder Kaffee der Blick auf die mehr als 800 Jahre alte gotische Nikolaikirche. Bei einer Weinprobe im benachbarten Raum lenkt nichts Ihre Sinne ab. Dank des Selbstbedienungssystems by the glass können Sie die Weine des Anbaugebiets in kleinen Mengen ganz nach Ihrer Wahl und Ihren Kräften verkosten (Sorten gibt es über hundert!). 

Auf einen Wein und ins Freilichtkino bei Lahofer in Dobšice

Auch der repräsentative Sitz des ganz in der Nähe bei Dobšice gelegenen Weinguts Lahofer ist auf dem Reißbrett von Chybík+Krištof entstanden. Das zum Bau des Jahres 2020 gekürte Weingut fügt sich auf originelle Weise in die umgebende Landschaft ein – es spiegelt den welligen Verlauf der Hügel wider, während die Kolonnade aus Gewölberippen den Rhythmus der umgebenden Rebreihen übernimmt und damit auch dem Interieur ein mit dem Wein verbundenes Motiv verleiht. Eine gewaltige Betonwelle verbindet den Produktionsbereich in dem einen höheren Gebäude mit dem Degustationssaal im anderen, das dazwischen entstandene Wellental dient als Freilichtbühne für Kulturevents. Kommen Sie zu einer Weinprobe in die LAHOtéka, oder wählen Sie aus dem Kulturkalender zum Beispiel ein Konzert unter freiem Himmel. 

Zu Wein und Humor ins Weingut zweier Freunde

Auch zu Fuß ist es von Dobšice oder Znojmo aus nicht weit bis zum Weingut Piálek & Jäger in Nový Šaldorf. Hier hat nicht nur die Weinherstellung ein sehr persönliches Gepräge. Das Gesicht des Weinguts waren von Anfang an die beiden befreundeten Winzer, ins Logo übernahm man das jahrhundertealte Familienwappen der Piáleks, und die neue Gestalt des Degustationskellers haben die beiden Inhaber unter der Mithilfe professioneller Architekten selbst entworfen. Kamil Piálek „malt ein bisschen“, wie er selbst sagt, und so hat den größten Teil des Interieurs gerade er entworfen. Hier dominieren Holz und reine Materialien wie Glas, Granit, Marmor oder der Sichtbeton an den Decken. Gerade die Decke wird gewiss Ihre Blicke auf sich ziehen. Warum hat sie keine glatte Struktur…? Den Bauarbeitern sind beim Gießen des Betons Blätter in die Betonpumpe gefallen und haben wunderschöne Abdrücke hinterlassen. Statt der erwarteten Schelte ernteten Sie von Piálek und Jäger begeisterten Beifall. Das ist doch Natur! Und gerade um die geht es beim Projekt ihres Weinguts schon von Anfang an.

Die beiden Winzer gehen ihr traditionsreiches Handwerk von der modernen Seite an, und das gilt auch für diese Gebäude. Die Tradition in Gestalt des Satteldachs oder des Portals trifft hier auf die durch „rostigen“ Cortenstahl oder Glastüren vertretene Moderne. In den Innenräumen ist das allgegenwärtige Kreismotiv nicht zu übersehen – die Inspiration dazu lieferte die Weinbeere. Von der Decke bis zum Fußboden findet sie sich überall wieder. Durch kreisrunde Glasfenster im Boden geht der Blick von der Bar hinunter in den Keller und vom Keller hinauf zur Bar, damit immer alle beisammen sind, auch wenn sie sich in getrennten Räumen befinden. Keinerlei scharfe Ecken, auch die Bar hat die Form eines Halbkreises. Hier fühlt man sich wohl, hier herrscht keine Eile. Das merkt man nach ein paar Sätzen der Inhaber – die beiden Winzer sind recht lustige Gesellen und bringen jeden zum Lachen. Ihr Wein dagegen ist alles andere als eine Lachnummer, denn nicht umsonst wird er auch in Lokalen mit Michelin-Sternen serviert!

Ein 300 Jahre alter Sandsteinkeller in Konice

Das Weingut Konitz lädt zu gastronomischen Erlebnissen und zu Verkostungen auch weniger bekannter Weinsorten. Hier versteht man es, edle Weine und exklusive Speisen miteinander zu verbinden. Bleiben Sie in der Pension des Weinguts gern auch über Nacht. Die Rekonstruktion der Gebäude durch das Architekturstudio Tomáš Dvořák ist so gut gelungen, dass sie mit dem Brick Award 2016 für den besten Bau des Jahres und mit dem Big See Tourism Award als tschechisches Top-Projekt 2019 in der Kategorie Fremdenverkehrsarchitektur ausgezeichnet wurde.

Die nüchterne Inneneinrichtung des auf einem Steinsockel stehenden weißen Hauses wirkt auch dank der großzügigen Fenster luxuriös. Highlight des Interieurs ist die kirchenartige Beleuchtung durch ein Fenster unter dem Dach, das auch einen Blick ins Dachgestühl ermöglicht. Wo es nur ging, wurde auf die ursprünglichen Materialien und Bautechniken zurückgegriffen (so etwa auf Ziegel aus Abbruchhäusern in der näheren Umgebung). Die einfühlsame Arbeit mit modernen Akzenten wird unterstrichen durch die Naturmaterialien Stein, Holz und Metall – so findet sich hier etwa ein luxuriöses Waschbecken aus dunklem Stein mit eindrucksvoller Maserung. Um die Wirkung des historischen Sandsteinkellers nicht zu beeinträchtigen, wurden die neuen Details sehr dezent gewählt und finden sich eher in Bodenhöhe, für ein effektvolles Ambiente sorgt vor allem die durchdachte Beleuchtung der Räumlichkeiten. Tragende Idee der Rekonstruktion war es, den Geist der alten Objekte in einer modernen Gestalt neu zum Leben zu erwecken.

In Sichtweite des Eingangstors zum Nationalpark Thayatal

Am Rande der Ortschaft Havraníky finden Sie das Weingut Thaya, benannt nach dem unweit von hier dahinmäandernden Fluss. Das selbstbewusste Gepräge verlieh dem Haus das Architekturstudio Jakub Cígler. Herzstück des Ensembles ist der einstige Kornspeicher, der von weiteren Bauten umgeben ist – das Ganze erweckt den Eindruck eines typischen mährischen Dorfs. Die gewellten Dächer der Hallen erinnern an den Flusslauf der Thaya oder auch die Hügel der Umgebung. Jedes Detail hier ist Ausdruck des Zusammenhalts. Österreichisches Holz und tschechische Biberschwanzziegel.

An das gewellte Dach schließt sich in fließendem Übergang eine künstlich angelegte Anhöhe mit den Degustationskellern und den Appartements an. Der zur Erholung dienende Hof verweist auf die Tradition der fränkischen Höfe, wo man im Mittelalter die Trauben verarbeitete. Im Restaurant Apri werden die eigenen Weine zu herausragenden Speisen gereicht. In der Küche setzt man auf Zutaten aus der Region und traditionelle Rezepte in einem modernen Gewand. Probieren Sie einmal Wild aus den Wäldern der Region oder Fisch aus den Teichen gleich nebenan, und das alles gewürzt mit Kräutern, die direkt auf den Ländereien des Weinguts wachsen. Und was für Weine erwarten Sie hier? Der Önologe des Hauses meint dazu: „Den Wein ziehen wir wie ein Kind groß. Wir formen ihn nicht mit Strenge, sondern führen ihn an der Hand, damit er sich zur vollen Reife entfalten kann.“

Wo Sie unterwegs Ihren Hunger stillen

Wenn Sie durch den Nationalpark Thayatal oder zum bekanntesten Weinberg dieses Landstrichs, dem Šobes, unterwegs sind, dann kehren Sie doch im Restaurant Vyhlídka des Hotels Vinice Hnanice ein. In Znojmo finden Sie Snacks und ausgezeichnetem Kaffee bei Balance coffee & wine, einen fantastischen Brunch im půlnapůl oder ein ausgiebiges Mittagsmal in der Brauereigaststätte ReZtaurace gleich neben der Enotéka. Am Slepičí trh, dem ältesten Marktplatz von Znojmo, können Sie im Restaurant Slepičák zum Essen oder zu einem Glas Wein einkehren. Wo im Mittelalter Geflügel verkauft wurde, befindet sich heute der Zugang zu den unterirdischen Gängen von Znojmo. Oder fehlt Ihnen in Ihrer Sammlung der Architekturstile dieser Stadt noch der Jugendstil? Dann sei Ihnen das gemütliche Kino Svět in der Havlíčkova ulice empfohlen, wo Sie sich im Bistrograf stärken und dabei an den Wänden die Illustrationen von Matúš Maťátko bewundern können.

Was es unterwegs noch zu sehen gibt

Jede Menge positiver Energie finden Sie im Thayatal, dem einzigen Nationalpark in Südmähren. In Popice lädt das Geburtshaus von Charles Sealsfield zu einem Besuch, oder besuchen Sie die Gedenkstätte zur Erinnerung an den Eisernen Vorhang.


Tipps für Ausflüge

Genug Theorie. Kommen Sie und entdecken Sie Südmähren auf eigene Faust.

 

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